8. März 2015

Dominica Teil 4

LIch habe meinen Aufenthalt um 6 Tage verlängert, weil ich mich von Dominica und der Stimmung hier nicht trennen kann. Was für eine Insel! 
Der Regen verflüchtigt sich an manchen Tagen ein wenig, das heißt, es regnet überwiegend nachts und  frühmorgens, ansonsten scheint die Sonne und es ist heiß. Eigentlich ist eh Trockenzeit und der Regen ungewöhnlich. 
Obwohl ich die ganze Zeit in meinem Minizelt schlafe, geht es mir erstaunlich gut darin, na, ja, in DEM Ambiente ist das auch klar. Sind oft klasse Leute hier und hab auch gleichzeitig meine Ruhe, wenn ich will. Bevin, der Inhaber und seine Schwestern sind so reizend und freuen sich über mich.

Nun geht es erst am Donnerstag nach Guadeloupe bzw. gleich weiter nach Marie Galante, dann will ich noch unbedingt nach Les Saintes neben Guadeloupe. Hab auf Marie Galante mit Airbnb einen Platz für Zelt auf einem Privatgrundstück gebucht. Bin gespannt, weil die Frau dort mir bisher per Email durch 1000 Fragen so sehr auf den Senkel gegangen ist, dass ich arge Befürchtungen hege.... Wir werden sehen....

Wie war's bisher? Es passieren oft ganz unerwartet tolle oder auch blöde Situationen. Vielleicht auch, weil ich manchmal ziemlich unbedarft, naiv bzw. ohne irgendwelche Infos irgendwohin ins Nichts fahre......:-). 
Ich fahre also mit public bus auf die Atlantikseite von Dominica (siehe eco camp, nicht weit davon entfernt). Später lese ich im Buch ( bzw weiß ich ja eigentlich auch aus eigener Erfahrung, ich dusselige Kuh), dass man dort wirklich recht schwierig wieder weg kommt. Ein Fahrer läßt mich auf halber Strecke im Nichts raus, vielleicht würde noch ein Anschlussbus kommen. 
Die locals machen mir geringe Hoffnung. Ich weiß nur, dass da irgendwo Wasserfälle sein sollen. Ein Jeep kommt vorbei mit einem franz. Pärchen, lebend auf Martinique bzw auf ihrem Boot. Ich stoppe sie. 
Sie fragen mich, wohin ich denn eigentlich wolle, tja, wenn ich das mal wüßte. Sie wollen jedenfalls zum Victoria Wasserfall. Ok, dann will ich da auch hin und schon haben sie die A-Karte und mich an der Backe. 
Es geht mal wieder über Piste in den Dschungel zu einem Camp. Auf ganz Dominica gibt es überall Camps, Ressorts und Privatquartiere, die aber nicht im geringsten auffallen bzw toll sind.  
Wir 3 nehmen den angeratenen local guide mit. Und der ist der Knaller: seines Zeichens Rasta Man, namens Moses, siehe Foto. Jau, das isses doch! Später erzählt er uns, dass er 3 Kinder hat mit verschiedenen Frauen! Man sieht das alles nicht so eng hier. 
 Auf meine Frage, wie lange der Weg sei, meint er, der Treck ist ca 45 Minuten lang. Treck? Hab ich mich verhört? Nur EINE Flußdurchquerung? Na, wenns mehr nicht ist. 
Es werden FÜNF Durchquerungen ( z.T. Wasser bis Höhe Bauch ) und eine für mich herausfordernde Kletterei, glitschige Steine, klettern auf allen Vieren usw. usw. Aber ich habe ja MOSES! Er führt mich an seiner Hand durchs Wasser. War da nicht schon mal was mit Moses und der Teilung des Wassers? Ich fühle mich jedenfalls wie in der Bibel vor Jahrtausenden......
Eine Stunde hin, 1 Std. Aufenthalt, 1 Std. zurück. Nach dem Walk sage ich: Moses, ich will ein Kind von dir, du bist ja soooo süß! Scherz!! Jedenfalls war dieses Abenteuer mal wieder toll!
Wir lernen noch seinen Rasta-Vater kennen, beeindruckender Mann! 
Man sieht: einfach eingestiegen in Bus nach irgendwohin und plötzlich befindet man sich im nächsten Abenteuer! Ich staune selber immer wieder über solch eine Entwicklung. 

Abends geht's wie immer zur Music Bubbling Beach zum Treff mit neuen/ bekannten Leuten aus aller Welt! 
Wisst ihr, was ich am allermeisten liebe auf dieser ganzen Reise? DIE MUSIK!!! Aus allen Häusern, Beaches, Autos schallt mir eine große Lautstärke diverser Musikrichtungen entgegen: Zouk, Calypso, Reggae, Cadence, Campa. Hab schon einige Cd's eingekauft. Ich schwelge erstmalig auf dieser Welt in endloser Musik. Großartig, wo doch Musik für mich das Zweitwichtigste auf meiner Präferenzliste ist.
Und- KEINER, der sagt: kannst du mal die Musik leiser machen! Das passiert ja immer wieder bei mir zu Hause! 

Wieder ein Abend in meiner Unterkunft : es ist Karaoke Night, oh meine Güte, nix für mich, denke ich. 
2 süße Französinnen hier, ein paar Locals, ein netter Berliner und meine Person. 
Auf dem Fernseher läuft mit Textuntertiteln Michael Jackson. Wie man solch einen Song durch Eigengesang zerstören kann! Wir leiden. Es wird später und später. Natürlich werden wir auch animiert, zu singen. Das geht ja gar nicht als Deutscher!! 
André kommt, sieht mich, fährt kurz nach Hause, zieht sich Rastaklamotten an, kommt zurück und singt für mich sowohl Bob Marley als auch Elton John Liebeslieder "can you feel the Love tonight".  Ich weiß genau, was er beabsichtigt! Er will mich weichkneten, was ihm aber nicht gelingen wird. Seit Tagen ist er mir auf den Fersen. Nun nutzt er die Musik. Wir lachen alle viel. Es hat schon was, wenn ein Mann vor einem schmachtet und einem ein Lied nach dem anderen mit dem Mikro ins Ohr säuselt! Grins! Gibt's schließlich nicht alle Tage! Kurz und gut, der Alkohol tut sein Letztes: als alle Gäste im Bett sind und ich alleine mit den Locals bin, lasse ich mich herab und singe Celine Dion's My Heart Will Go On!!! Oh my Goodness!
Nun schmilzt auch noch das letzte karibische Herz dahin! Puh, wie furchtbar! 
Es war jedenfalls eine supergute Disconacht. 

Ich fahre mit Bus ins ursprüngliche Dominica, zu den "Ureinwohnern", nach Kalinago. Bilder im nächsten Post. Nicht so ganz prickelnd, aber nett. 

Ich besuche André in seinem Haus im Wald. Ein nettes Haus, Bilder später. Er serviert ein Dinner, zeigt mir den enormen Garten und es ist nett. Nun geht er mir allerdings arg auf den Senkel mit seiner Hinterherrennerei und ich muss sehen, wie ich ihn nett wieder auf Reihe kriege. 

Mein lauschiges Plätzchen in Bevin's Garten. 

Ich mag nicht gerade Selfies, aber in diesem kleinen Bächlein gibt es keinen, der mich sonst ablichten könnte, ich genieße das erfrischende Bad im Dschungel so ganz alleine - bis es wieder von oben schüttet und ich friere, dann mit Regenjacke, Schirm im Wasser. Ein Bild für die Götter. Roy, ein Einheimischer, lebend in New York kommt vorbei, setzt sich zu mir und wir haben einen spaßigen Talk. Wirklich ÜBERALL lerne ich tolle Leute kennen. 

Die 1. von insgesamt 5 !!! mehr oder weniger tiefen Flußdurchquerungen, diese ist noch leicht, ich ahne noch nichts


Es wird schon tiefer....

Endlich haben wir den Wasserfall erreicht, na ja, so ziemlich.....



Moses, der supersüße Rastaman, seufz......welche Frau wird da nicht schwach.....

Ein nettes Häuschen auf seinem bzw. Vaters Grundstück im Dschungel in Delices

Eins der vielen interessanten Projekte auf Dominica in Calibishie

und überall das wunderbare Grün, das natürlich auch irgendwo herkommen muss, also? Regen, Regen, Regen !
Calibishi im Norden

Es gibt wenige Sandstrände auf Dominica, auch dies sind nur wenige Meter. 
Ein entzückender Ort an der Atlantikseite ganz oben. Calibishi, empfehlenswert, mit toller Aussicht auf 2 Felsen im Meer. Ich sitze in einer Schaukel, trinke wie immer Rumpunch und schwelge in der Aussicht. 

ab und zu passiert auch was im Meer, ein local man geht fischen in der Brandung


Der unglaubliche Karaoke-Abend. Es singen die beiden hübschen Französinnen

André, ein Besucher, Bevin, der Campbesitzr

Auch wenn wir nur ca 10 Leute sind, die Stimmung wird immer besser....zu später, ganz später, Stunde, singe auch ich, unfassbar, Celine Dion's Schnulzenlied:  My Heart will go on! Die ganze Gemeinde liegt mir zu Füßen, brüll. Und Roland, der einzige Deutsche, ist glücklicherweise schon im Bett. Und ihr habt's alle nicht mitgekriegt, was für ein Glück!!! Mein Ruf wäre für immer hin, aber das ist er ja eh schon....:-)

tja, und dann kommt natürlich auch ER, Bob Marley, zu Wort bzw. Stimme....Eigentlich wird er fast nur auf Jamaika gespielt, aber man weiß natürlich, dass wir aus Europa ihn alle mit der karibischen Musik verbinden und lieben. 
Der beste Song (abgesehen von diesem Friedenslied "War") LEGALIZE MARIHUANA!! Ich liebe diesen Song ab jetzt! Nach dieser Gesangsnacht! Und überhaupt, wenn ihr wisst, was ich meine....






















2. März 2015

Dominica Teil 3

Ich kann nur sagen, es ist ja soooo eine tolle Athmosphäre hier auf Dominica. Bisher meine erklärte Lieblingsinsel der Karibik - auch wenn es wirklich jeden Tag regnet, mal mehr mal weniger. Mein Platz hier im wunderschönen Garten von "Rodney's Wellness Retreat" in Soufrière (Name doof, Platz nur toll) ist die Wucht. Hab tolle, nette, sehr nette ( wenn ihr versteht, was ich meine :-) ) Leute kennen gelernt und ich schwelge im karibischen Feeling. 
Mein exzessiver Schnorcheltrip von mehr als 2 Stunden war zwar nicht gerade ungefährlich, aber irgendwie hab ich aus das gemeistert. 

Hab eine Woche mit Davide, einem spanischen Typ, Mathelehrer, lebend auf den Virgin Islands, die Insel erkundet und schöne Tage verbracht. Für alle Neugierigen: alles rein platonisch!!!

Arne und Ruth waren da und wir haben Geburtstag gefeiert. DAS war natürlich das Highlight. Die Beiden hatten ein Auto gemietet und wir haben die Insel mehr oder weniger umrundet, toll gegessen, viel erzählt, durch Urwald geschlendert und überhaupt gefeiert. Heute fliegen sie von Martinique wieder nach Hause.

Gestern geht es mir nach David's Abflug nicht so ganz gut. Ich schlendere lustlos Richtung Schnorkelstrand. André, der local Milchproduzent, kommt mit Auto von seinem Wohnsitz im Dschungel an mir vorbei, fragt, wie es geht. Er sieht mein trauriges Gesicht, meint : come on, jump in and join me! Gesagt, getan. Ich jumpe in und wir verteilen zusammen die Milch an seine Kunden. Unser Gespräch ist sehr erheiternd, wir kaufen Pizza, fahren an den höchsten Punkt von Roseau und genießen die Aussicht. Ihm geht es auch nicht gerade so toll, sein Hund hat den Hühnerkäfig geöffnet, alle Hühner sind verschwunden, eins gekillt. Wir kommen beide wieder in eine gute Stimmung und stellen fest, wie schnell Regen sich zu Sonnenschein entwickeln kann. 
Ich stelle fest, ich schmeiße sämtlichen Vorbehalte und Bedenken bzgl. der dunkelhäutigen Bevölkerung über Bord. Was gibt es für nette einheimische Frauen und Männer! Ein HOCH aufs Reisen und Erkunden! 

Nachmittags geh ich nun zu meinem geliebten Treffpunkt, der heißen Quelle (siehe Bild im letzten Post). Es blubbert im Meer durch die Vulkanerde. So etwas Tolles und solch heiße Erde hab ich noch niemals erlebt. Jeder rast über den ersten Meter hinweg. Ja, und dann ist es wie im Himmel: 
Ich sitze mit netten Individualreisenden, 2 jungen deutschen Mädchen, die ich schon auf St. Lucia getroffen hatte, 2 Dänen, Franzosen, Einheimischen zus. stundenlang im Wasser. Wir trinken dort Rumpunsch noch und nöcher, laute, tolle, Reggaemusik, wahnsinnige Aussicht, "nette Zigarettchen" und genießen Aussicht und das Leben. Dann der Sonnenuntergang im Meer!!!! Es ist der Wahnsinn!

Was kann Frau nicht alles erleben, wenn Frau wagt, alleine zu reisen! Wie sehr hat sich meine Reise zu eine der tollsten überhaupt entwickelt. Und - ich habe endlich den 1. Schritt Richtung Südamerika gemacht, toll. 
Als Nächstes werd ich meine Spanischkenntnisse auffrischen bzw. neu lernen und dann geht's nach Südamerika. Wie das mit evtl neuem Auto aussieht, weiß der Geier!

David erprobt sich mit Rudern, ist aber dann zu stürmisch

Eine sooo süße Bank für Arne und Ruth

Mutter war ja auch irgendwie vor 34 Jahren daran beteiligt.....

3 karibische Schönheiten genießen das Fotoshooting

André schenkt mir Brasilian Roses!

Wir sind alle entzückt von dem süßen Mädchen 


Sind wir nicht eine tolle Truppe im Hot Pool?








22. Februar 2015

Dominica Teil 2

Nun muss ich aber gleich noch einen kurzen Post nachschieben, nicht, dass ihr glaubt, ich fände Dominica doof nur wegen dieses bizarren eco camps. Ganz im Gegenteil. Dominica ist DER HAMMER von den bisherigen, gesehenen Inseln. Es ist natürlich, ursprünglich, chaotisch (ähnelt damit den asiatischen Dörfchen), die Reisenden sind Trecker (abgesehen von den einmal wöchentlich einfallenden Kreuzfahrtbesuchern), die freundlichste Bevölkerung, verglichen mit den bisherigen Inseln, einmalig schöne Vegetation. Ein Nachteil: genauso teuer wie überall in der Karibik. Ich bin total begeistert, bin froh, dass ich jetzt 14 Tage hier bleibe und Bustouren über die ganze Insel machen kann, was von meinem Standort hervorragend geht. 
Auch wenn es heute 6 Stunden geregnet hat, ist es toll. Die schwarze Bevölkerung gefällt mir sehr. Eine bisschen chaotische Atmosphäre überall, genau das Richtige für dzg-ler!!! 

Wie meinte Dieter? Da der Staat es sehr einfach macht mit Einwanderern, solle ich mich schon mal nach einem dzg-Altersruhessitz umschauen. Bin dabei, Dieter. DAS wäre wirklich ein guter Standort für unsere Truppe, müssen nur alle viel Geld mitbringen. Aber das ist ja das kleinste Problem, oder etwa nicht? 

Die blöde Erfahrung ist vergessen, kann nur noch darüber schmunzeln....sind ja schließlich auch so viele witzige Elemente dabei gewesen.....

Die Leute in meinem Camp hier sind so hilfsbereit und nett, ich bin begeistert, auch wenn mein Mini-Zeltplatz 20 Euro kostet.....

So ganz ungefährlich ist mein Plätzchen nicht. Ich bin genau unter einer Kokospalme mit gaaaanz vielen Nüssen. Aber: et het noch immer jut jejange, wie der Kölner zu sagen pflegt.....


Das lobe ich mir: Reparaturen auf der Straße 
Da ich ja sparen muss, habe ich mich erkundigt, ob ich dieses Auto billiger mieten könne.....no answer
Kirche in Soufrière. Das Örtchen ist zauberhaft. Es ist Sonntag, nichts los, man sitzt auf der Straße, aus allen Häusern dringt Musik (ach wie schön),  man grüßt alle superfreundlich. Ich halte ein Schwätzchen mit dem Straßenobstverkäufer. Er ist nicht aufdringlich, nur nett. 

Einfach ein entzückendes Kirchlein....

Ist dies Büdchen nicht herrlich? Keiner drin, nix los, tote Hose sozusagen am Sonntag, denn dann ist für alle Kirchgang angesagt im super  katholischen Dominica. 

Das ist eine heiße Quelle. Habe noch niemals IM Meer solch heißes Wasser erlebt, bn nicht reingegangen. 

Ist das nicht ein süßes Schildchen? Werde demnächst dort mal schnorcheln gehen. 

Solche Gegensätze der Häuser, von grottenschlecht bis....

.....supergut

Ich laufe 6 km hin und zurück bis zum äußersten Ende der Insel. Rechts der Atlantische Ozean, links das Karibische Meer. Scotts Head. Füße? Total im A....., muss wieder Tabletten schlucken. DAS Schnorchelgebiet vor der Haustür, das muss ich die nächsten Tage nutzen. 


Das Örtchen Soufrière, von dem ich aus diese Fußtour mache. 

Dort an die äußerste Spitze zieht mich die Neugier 

Der südlichste Zipfel der Insel, Scotts  Head


















21. Februar 2015

Dominica Teil 1

Ich  leiste mir mal wieder eine Übernachtung im teuren Castries auf St. Lucia, trolle bzw schlappe mit wehen Füßen durch den Ort, der nicht unbedingt spektakulär ist, aber genieße mein Zimmer, was ja in diesem Urlaub Seltenheitswert hat. Ich stehe um 5.00 Uhr auf. Wie ich diese Zeiten hasse! Es ist stockdunkel und es schüttet wie aus Kübeln! Ich schleppe meine Last über stockdunkle Treppen, stehe an einer Straße und hoffe, dass wirklich ein Bus kommt! Er kommt und nimmt mich tatsächlich mit. Dann lange Eincheckprozedur, da es ja wieder in ein anderes Land geht, nervig wie beim Flughafen. 
Zuerst wieder kurzer Stopp in Martinique, dann weiter nach Dominica. 4 1/2 Stunden. Wilde, unruhige Überfahrt, dank Reisekaugummi überstehe ich die Fahrt. Sind übrigens einige Wandergruppen unterwegs, klar, ist ja auch eine tropische Wanderinsel. Ziehe das Gepäck wieder durch brütende Hitze, finde Bus sofort und ab geht's, mal wieder eine ganze Stunde NUR Kurven, genau auf die gegenüberliegende Seite der Insel ins Nichts bzw. Dschungel. 

Fahne St. Lucia. 

Habt ihr schon jemals solch lange Haare gesehen? Könnte bzw wollte nicht näher ran. Bin sehr vorsichtig mit fotografieren. 

Mit Brausen geht es über's Meer nach Dominica




Ich will unbedingt dahin: http://www.3riversdominica.com, ahne noch nichts Böses. Nach einer Stunde nur durch Urwald setzt mich der Busfahrer im Nichts an der Straße ab: 

Ich bin im gegenüberliegenden Teil von Dominica, wo nur ganz wenig los ist und wo diese eco lodge liegt.  Soweit so gut, nur was nicht beschrieben war auf der Internetseite, dass es noch ca 2 km über kaputte Steinwege, durch einen Bach, berghoch durch den Dschungel ging, bis man endlich da war. Find ich auch alles ok, ist schließlich nur für Trecker gedacht. Dennoch ist so etwas für  Frau alleine mit Rollkoffer schwierig. Ich keuchte mir einen ab, der Schweiß rinnt mir nur so runter. Ok, irgendwann bin ich da. "Jam" ( wie Marmelade), empfängt mich, der englische Besitzer des Camps.  Es ist sofortige Unsympathie auf beiden Seiten. Die meisten Besucher des Campus sind Engländer und Amerikaner. Ich erfahre, dass es keine Möglichkeit gibt ( anders als im Internet angegeben), irgend etwas vor Ort an täglichem Essensbedarf einzukaufen, später konnte ich jedoch 2 Pampelmusen von einem Einheimischen kaufen. Soweit noch, so gut. 
Ein netter Amerikaner führt mich rum auf dem Gelände. Ich muss nun sagen, dass ich alles sehr einfach erwartet hatte, aber das Ganze teilweise als "Hotel" zu bezeichnen, schlägt dem Fass den Boden aus. Die Camptoilette ist ein Loch, die Dusche ist ein Schlauch aus einer Wand kommend. Die Küche, na ja, seht selber. Klar, aber alles Öko......das "Restaurant" ist der Treppenwitz. Kaputte Stühle, Tische. 2 Babies wurden von ihren Müttern hier jer verschleppt, die tun mir sooo leid. Es gibt auch Baumhäuser, 20 Minuten entfernt, hab sie nicht gesehen. Nix Öko, nur Bruch. Kaninchen, die aber doch wohl ab und an mal geschlachtet werden, aber ökomäßig, brüll. Man nimmt es nicht so genau. Ein Esel sträunt herum, ob er auch gegessen wird, bleibt offen. 2 wilde Hunde, gefunden im Forest, sollen "gezähmt" werden. Sind im Wald angekettet, kläffen wütend sobald sich eine Person in 100 m nähert. Sie werden immer näher ans Camp herangebracht, reißen ihr gefährliches Maul auf. 

Der Hammer: eine Holzbaracke mit Generator, der von 18.00 Uhr bis  21.00 Uhr angeschmissen wird. Ein Lärm, unvorstellbar, direkt neben meinem Zelt. Voll Öko!!! Internet? Klar, kostet Geld! Voll sozial! Mein Zeltplatz 12 Euro! Nachmittags werden Arbeitsgeräte angeschmissen, die komplett die Urwaldatmosphäre verschandeln, aber Öko! Obst, Gemüse kaufen, wie auf fast jedem Platz der Welt möglich? Nicht drin, man wird gezwungen, abends im "Restaurant" zu essen oder im 30- minütigem über dem Berg liegendem Örtchen einzukaufen. Jam will ja Kohle machen, aber voll Öko! 
Man kann, wenn der Strom ausfällt, im Fluß baden mit "Ökoseife", die sogar spendiert wird! 

Mit dem amerikanischen Nachbarn ( ca 20 m entfernt) ist "Jam" verfeindet. Man bekommt genau gesagt, welches Gelände zum Camp gehört. Auf meine Frage, ob es denn Klopapier gäbe, wird geantwortet, ja, man sei ja schließlich ein "Hotel", wo das gefordert würde. Ich bin verwundert und meine, dass man das ja eigentlich auch nicht bräuchte. Antwort: ja, das fände er auch, die Hand reiche ja wie in Asien, ich grins mir einen. Abends kommt ein Koch, der mir sofort sympathisch ist. Er bringt das Essen aus seinem Lokal aus dem Dorf, es schmeckt sogar. Ich finde die ganze Situation einerseits total witzig, andererseits total bizarr, es ist wie in einem schlechten Film. Ich werde zwangsweise mit zwei ebenfalls merkwürdigen älteren Damen aus Frankreich zusammen gesetzt, die das einzige "gute" Holzhaus für viel Geld gemietet haben. Ich darf mich auf ihrem Grundstück, das neben meinem Zelt liegt, nicht aufhalten, nur durchgehen, sagt der Chef, weil es ihnen gehört. Die Damen finden alles toll, eben voll Öko! Die 75jährige meint, sie kenne Indien gut,  sei 3 mal mit Gruppe für 2 Wochen in Indien gewesen, habe alles angeschaut und sei davon so angetan, dass sie jetzt Buddhistin sei! Ich stimme zu, bewundere meine Gelassenheit! 
Man geht ins Bett, davon bin ich erlöst! 
Es fängt nachts, wie seit Wochen, an zu regnen und hört nicht mehr auf. Ich beschließe am nächsten Morgen sofort abzuhauen, meine kaputten Füße sind mir in dem Moment egal.  Ich wache auf, liege im Matsch, Dreck, Regen. Ich weiß es nicht, wie ich es geschafft habe, meinen Krams in den Rucksack zu verstauen, es ist jedenfalls alles nass, feucht. Ich wasche mich nicht ( wie am Abend vorher natürlich auch nicht), ziehe wutentbrannt meinen nassen Trolley durch den  Matsch und bezahle bei Jam meine 12 Euro. Man ist natürlich beleidigt, weil ich ihr Camp nicht toll finde, beachtet mich nicht mehr und ich dampfe wutschnaubend davon. Natürlich frage weder ich, noch fragen sie mich, ob sie mich zur Straße bringen sollen, denn Autos sind da (voll ökologisch). Es regnet gerade mal nicht. Bin nur froh, dem bizarren, widersprüchlichen Camp entronnen zu sein. 

Nach ca 10 Minuten fängt es wieder an zu schütten, ich suche nach meinen vermaledeiten Rucksackregenschutzhüllen, öffne den Rucksack, der Regen läuft hinein. Die Situation ist kaum noch zu beschreiben, ich tue mir selber leid, fange an zu heulen. In dem Moment laufen Jam und 2 seiner Gefolgsleute an mir vorbei und sagen Hello. Sie starren mich an und gehen weiter. Ich kanns nicht fassen. Was für ein unsoziales Verhalten im sozialen Öko Camp. Ich weiche langsam durch. 2 ältere Amerikaner mit erw. Sohn gehen an mir vorbei. Wir unterhalten uns kurz, keine Hilfe wird angeboten, sie sehen mich ächzend, regendurchweicht den Berg hoch zur Straße kriechen. Wieder den kleinen Fluss durchwaten, die Frau hat einen Musikkoffer in der Hand. Was denn das sei? Sie zeigt mir stolz ihre in Amiland gefertigte Jukulele, die sie nun durch den triefenden Dschungel trägt. Sag mal, bin ich hier noch ganz richtig oder läuft hier eine Satire ab? Ich zweifle an meinen Sinnen. Kann es noch bizarrer kommen? Mal lachend, mal heulend japse ich weiter. Die ältlichen Französinnen fahren in ihrem Auto an mir vorbei, halten nicht an, glotzen nur. Ist das alles zu fassen? Meine Fußballen schmerzen so sehr, ich kann kaum noch gehen. Bin an der Straße, wo ich ja angeblich von JEDEM  Auto mitgenommen würde, Aussage Jam. Dumm nur, dass um diese Zeit (. 10.00 morgens) weder Bus noch Autos in dieser gottverlassenen, abgelegenen, verschissenen (Pardon) Gegend fahren.  Alle 10 Minuten rast mal eins durch, hupt, fährt weiter. Ich will jedes Auto nehmen, egal in welche Richtung, nur weg. Der nette Koch kommt, sieht mich heulend an der Leitplanke stehen, hat Erbarmen und will mich mitnehmen. Ich muss mir vorher die nassen Klamotten ausziehen. Witzig, ist ALLES  durchnass, müsste nackig mitfahren. Er hat Erbarmen, erlaubt mein Shirt, grins. Wohin ich wolle, egal, nur weg. Er ist ein schwarzer einheimischer, sehr netter Mensch, wir werden uns immer sympathischer. Oh, denke ich, was für einen Dank erwartet der? Mehr als Danke sagen will ich jedenfalls nicht.. Er bringt mich an das von mir genannte Guesthouse, bringt mir die nassen Sachen hoch, nimmt mich doch sehr in den Arm bis ich Stopp sage, gibt mir seine Telefonnummer (für alle Fälle) und übergibt mich in Ma Bass Arme. 

Ich will auf keinen Fall auf einen Zeltplatz, muss erst mal alles trocknen. Bin wieder in dem Hauptort Roseau. 
Die Unterkunft ist auch der Hit. Mir öffnet ein ca 90 Jahre alter Mann, guckt mich verständlnislos an, ruft die Ma. Ma Bass kommt, sieht aus wie mind. 85, ist sicher 3 Jahre jünger, gibt mir viele Anweisungen, wie ich mich zu verhalten habe in den nächsten Stunden, will mich dazu nötigen, mind, 2 Nächte zu bleiben.  Statt den 20 Dollar lt Internet, kostet die Privatunterkumft 44 Dollar, na ja, ist ja nur mehr als das Doppelte, muss man nicht  so eng sehen. Egal, ich trockne alles auf dem Dachboden. Wieder bizarre Situation: ich muss durch die Küche. Der Alte sitzt, mich böse anstarrend, vor einem Kasten (Radio) und hört stundenlang Bibellesungen. Habe kein eigenes Bad, Toilette. Im Zimmer darf nicht gegessen werden. Auf dem Flur Gemeinschaftsbad,  eine Bibel liegt auf dem Nachttisch (meine Nacht ist gerettet), das Password heißt "Godlovesmabass".  Im Bad liegt eine aufgeschlagene Kleinbibel in Trockenblumen. Noch Fragen?

Mir geht's am nächsten Tag trotz Ibuprofen fußmäßig noch sehr schlecht, mache immer Gehübungen  mit allen Tretern, die mir zur Verfügung stehen.  Ich will noch eine Nacht bleiben, aber sonntags fährt kein Bus, also mache ich mich um 13 Uhr auf den Weg zum nächsten Bus nach Soufrière (gleicher Ort, andere Insel). Der Busfahrer zetert wegen großem Gepäck, mus wieder 2 Plätze bezahlen. Er weiß von keinem Campingplatz in Soufrière, will mich im Ort absetzen, die anderen Gäste meutern, bringt mich widerwillig zu einem wunderbaren Garten mit Campingmöglichkeit. Ich bin überwältigt, könnte alle küssen vor Freude. Nix los, paradiesisch, Nähe das Örtchen, Hängematte hängt, nette Leute..

Das Allerbeste ist jedoch: Arne und Ruth kommen am nächsten Donnerstag für 2 Tage von Martinique hier hin und wir feiern zus. Arne" s Geburtstag. Unglaublich, wie sich Situationen verändern können! 

Ich kann nicht sagen, warum immer nur MIR solche Situationen passieren....
Irgendwie ziehe ich so etwas wohl an....

Eins von wenigen Hütchen auf dem Gelände
Man fragt mich: hast du schon unser neu angelegtes Gemüsebeet gesehen? Ich frage: wo? Na hier! Sieht für mich aus wie frisch angelegte Gräber für frisch Verstorbene. 

"Küche"

"Bad" und"Toilette"

Noch ist es trocken beim Aufbau meines Zelts vor einem Misthaufen, später ist nur noch Schlamm zu sehen

Roseau

Marktleben auf Dominica

Uferpromenade in Roseau

Ist die reine Ironie: ein Beatyshop vor meinem Balkon in Roseau. Könnte ich auch gebrauchen, kann ich mir aber nicht leisten, also muss ich weiter so bescheuert rumlaufen wie ich bin.....

Das tolle Guesthouse mit den Greisengastgebern