25. April 2018

1998 Indien











Reisebericht aus dem Jahre 1998


Indien                                
Land der Widersprüche
das gänzlich Andere, das völlig Unerwartete


Von meinen Freunden hatte ich gehört: „Entweder Du fährst einmal und nie wieder hin, oder die Faszination dieses Subkontinents packt Dich und bleibt für immer bestehen. Dieses Land ist anders“. Nirgendwo ist dieser Satz so angebracht wie in Indien. Das gilt nicht nur für Gestikulation und Verhaltensweisen. Das gilt auch für Sitten und Gebräuche, für Religion und Kultur, für Festlichkeiten und Alltagsleben. Indien hat seinen eigenen Geruch. Wo geht der Respekt vor allen Lebewesen so weit, dass vegetarisches Essen als einzig denkbare Ernährungsweise erscheint? Wo bitte sonst noch weigern sich Menschen gar, Kleidung zu tragen, aus Angst, sie könnten andere Kreaturen damit verletzen? Wo hockt der Friseur mit nichts anderem in der Hand als dem Zeichen seines Standes, der Schere, auf der Straße und wartet auf Kundschaft? Wo sonst gibt es Menschen auf der Suche nach dem spirituellen Weg, die alle irdischen Annehmlichkeiten ablegen und oft unter großen Entbehrungen in der Abgeschiedenheit leben?  -   Aber auch das andere Indien gibt es: Wo sonst können Kühle heilig sein, während Menschen verhungern?

Der Reiz, dieses Land auf meine eigene Weise zu bereisen, wurde immer größer. Es dauerte aber noch eine ganze Weile, bevor ich mich entschloss, ein so widersprüchliches und dazu noch so armes Land alleine zu entdecken. Hinzu kam die Überlegung, dass die indischen Frauen einen Hauptwiderspruch darstellen: mit Recht lässt sich sagen, dass sie in außergewöhnlichem Maß unterdrückt werden, und ebenso wahr ist, dass sie außergewöhnlich selbstbewusst und vielleicht sogar außergewöhnlich frei sind. In den achtzehn Jahren, da Indien von einer Frau regiert wurde, haben auch Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen massiv zugenommen. Dieses ist für Indien nicht ungewöhnlich. Auf meiner Reise habe ich viele Frauen in allen möglichen Berufen gesehen: Ärztinnen, Krankenschwestern, Lehrerinnen, Ingenieurinnen, Wissenschaftlerinnen und gleichzeitig habe ich der Presse entnehmen können, dass täglich Vergehen gegen Frauen stattfinden. Die Frau als Staatsoberhaupt und als Gewaltopfer: Das sind lediglich Extreme einer wesentlich komlexeren Realität. Die indische Frauenbewegung ist präsent und lebendig. Dass sie nicht als einheitliche Strömung zu erkennen ist, mag der Grund dafür sein, dass sie nicht in ihrer ganzen Breite wahrgenommen wird; richtigerweise müsste man aber gerade in dieser Pluralität eine Stärke sehen. In einer Kultur, die so vielfältig und so traditionsreich ist wie die indische, ist es nicht einfach, Verhältnisse zu ändern, welche - wie die meisten Anliegen der Frauenbewegung - die Grundlagen der Gesellschaftstruktur betreffen.
Soweit ein paar Gedanken zu dem Thema Frauen in Indien.

Mit einer großen Portion Angst und Respekt landete ich in Delhi, einer jener indischen Moloche, einer Hauptstadt mit über acht Millionen Einwohnern. Von Hannover aus hatte ich per Telefon ein Bett im YMCA geordert auf den Namen „Weirich - Deutschland“! Und tatsächlich - das Unerwartete geschah. Mein Zimmer war reserviert - auf der einen Seite ein dunkles Loch mit zugezogenen Gardinen, auf der anderen Seite wurde der Eingang des Hotels Tag und Nacht bewacht, selten hatte ich das Gefühl, so behütet zu wohnen.
Am nächsten Tag wollte ich meine Busfahrt in den Himalaya, nach Leh, Ladakh, höchstgelegene Region Indiens, buchen. Das erste Mal hörte ich hier die Worte: No problem. Diese sollten mich auf der ganzen Reise begleiten. Der Inder sieht in nichts Organisatorischem ein Problem. In Wahrheit ist jedoch alles ein Problem: Die richtige Straße bzw. das richtige Haus zu finden in einem bunten Schilderwald, aufgrund mangelnder Englischkenntnisse der Inder erhält man falsche Antworten, Rikschafahrer, die mich in eine andere Richtung bringen, um mehr Rupees zu bekommen, ohrenbetäubender Straßenlärm, Gestank, Kaufen eines Zugtickets. Bettelei, etc. etc.

Zurück zu meiner Busbuchung: Ein weiteres Problem tut sich auf: „Road is closed“, wird mir gesagt (wegen Überschwemmung der Straße). Nach einigen anderen Schwierigkeiten bekomme ich dann 5 Tage später einen Flug nach Ladakh. Zuvor nehme ich mir noch einen Jeep mit Fahrer und lasse mich zum Taj Mahal und nach Rajastan fahren. Die ganzen 3 Tage ist die Luft voll von Abgasen. Wracks säumen die „Straße“. „Please horn“ steht hinten auf vielen LKW’s. Jeder hupt immer, und jeder hupt anders. Die indische Hupe blökt, trötet, pfeift je nach PS-Kaste des Gefährts. Sie ersetzt die gesamte europäische Straßenverkehrsordnung samt Ampeln und Schilderwald. Ein Tag und Nacht brummender, hupender Kreisel aus Autos und Auto-Rikschas, Lastträgern, Lastwagen und Karren, vor die ein Kamel gespannt ist, ein Büffel, ein Esel. Wer nicht einmal einen Esel und auch keinen Karren besitzt, schleppt seine Habe, das kann ein ganzes Geschäft sein, ein kompletter Haushalt, auf dem Kopf umher. Teeverkäufer, Brahmanen („menschliche Götter“ - oberste Schicht der Kastengesellschaft), heilige Kühe, unheilige Ziegen und Schweine, ausgetrocknete alte Weiblein, junge Mädchen auf dem Sozius eines Motorrollers bahnen sich ihren Weg. Vor meinen Füßen kickt ein Auto einen Esel einen halben Meter vor. Ein kurzer böser Blick des Eselbesitzers, ein bedauernder Blick zurück, zwei Lächeln. In den Straßen kochen und hämmern, schneiden und feilen dicht an dicht Hunderte kleiner Handwerker in ihren offenen Stuben. Wie 1000 Jahre vor der Erfindung der Zahnbürste bieten Frauen frischgeschnittene Zweige zum Kauen feil. Sie reinigen die Zähne und kräftigen das Zahnfleisch. Unübersehbar und für mich schockierend ist jedoch Indiens Armut: Unterernährte Kinder mit aufgetriebenen Bäuchen, verendende Hunde und Katzen, die Hand eines verkrüppelten Bettlers, die in das im Stau steckende Taxi hineingeschoben wird. Ein paar aus Mitleid gegebene Rupees riefen einmal blankes Entsetzen bei mir hervor, da nämlich wie aus dem Nichts Dutzende von Kinder erschienen in der Hoffnung auf weitere Geschenke. Ich mußte mir klarwerden, dieses Problem kann ich nicht lösen. Ich mußte meinen eigenen Weg finden, mich abzuschotten ohne darüber zu vergessen, dass niemand aus Vergnügen bettelt. Beschämend ist nur für mich immer wieder gewesen, dass selbst die Ärmsten der Armen so sehr gastfreundlich sind.

Dann kommt mein heißersehnter Flug in den Himalaya. Dies bedeutete erst einmal vorab: 3.30 Uhr Aufstehen, Taxi zum Abfahrtspunkt Richtung Flughafen, Warten in Delhi auf fast menschenleerer Straße auf einen evtl. kommenden Bus, nur Bettler liegen vereinzelt in der Ecke, Rikscha-Fahrer wollen mir einreden, dass der Bus nicht kommt. Angst schleicht sich ein mit dem Gedanken: Wie verrückt muß ein Mensch sein, sich solch einer Situation freiwillig auszusetzen?
Unerwarteterweise erscheint dann der Bus sogar pünktlich auf die Minute und die Belohnung für den Stress folgt ebenfalls: Sonnenaufgang über dem 7000 m hohen Gebirgsmassiv. Ein kaum zu beschreibendes Gefühl und Erlebnis, fast schon unwirklich wie im Traum.
Endlich die ersehnte Ankunft im herbstlichen Leh, Ladakh, 3.554 m hoch, - die Inkarnation des tibetanischen Buddhismus . Ein wunderschönes „Schaufenster-Zimmer“ in einem süßen kleinen Guesthouse, umrundet von den schneebedeckten Gipfeln des Himalayas, erwartet mich. Mitreisende aus aller Welt sind immer wieder meine Begleiter. Trotz aller beschriebenen Warnungen bewege ich mich dann am ersten Tag zu viel in der Höhe und bekomme prompt AMS (Accute Mountain Sickness) Symptome: Appetitlosigkeit , starke Kopfschmerzen, Lethargie, Atemlosigkeit. Nach einem Tag Ruhe und Einnahme von mitgebrachten Tabletten vergehen die Schmerzen. Eine Woche verbringe ich unter diesen friedvollen, freundlichen, liebenswerten und gefühlvollen Menschen. Überall sitzen die Lydakhi herum, rauchen, trinken Tee und handeln. Die Ernte wird eingefahren. Frauen treiben stundenlang singend Heu-dreschende Esel an. Das Ganze ist einfach paradiesisch! Ich werde eingeladen bei einer heimischen Familie zum berühmten Buttertee, den ich dann heimlich hinter mir im Gebüsch versickern lasse, da er für meinen europäischen Gaumen einfach ungenießbar ist.

Meinen ursprünglichen Wunsch, eine Busreise nach Kaschmir erfülle ich mir nicht, da dieses Gebiet zur Zeit noch Kriegsgebiet ist. Seit 1989 findet in Kaschmir ein bewaffneter Guerillakampf gegen die Zugehörigkeit Kaschmirs zu Indien statt. Verschiedene Gruppen bekämpfen die indische Regierung in Gestalt ihrer Armee mit unterschiedlichen Zielen. Einige bestehen auf der Unabhängigkeit Kaschmirs, andere wünschen einen Anschluß an Pakistan. Letztere werden durch verschiedene politische Kräfte in Pakistan tatkräftig unterstützt.

So fahre ich dann mit diversen Bussen in insgesamt 4 Tagen ( teilweise 16 Stunden pro Tag) eine Strecke von 1.250 km nach Delhi zurück. Ach ja, nicht zu vergessen, wieder eine nächtliche Abfahrt um 3.30 Uhr von Ladakh aus (diese Uhrzeit scheint mich zu verfolgen), kläffende Hunde um mich herum, elektrisches Licht gibt es mal wieder nicht, also mache ich mich mit Rucksack, Tüten und Taschen und der Hoffnung auf eine funktionierende Taschenlampe auf den halbstündigen Weg, Schweiß rinnt mir beim Aufladen meines Rucksackes auf den Bus den Rücken herunter - bin schon mit den Nerven fertig bevor es losgeht. Im Bus sitzen 30 Männer, 1 Baby und dazwischen befinde ich mich.
Dann jedoch wieder ein Highlight meiner Reise: Wir passieren 3 extrem hohe Pässe und die kurvenreiche Gebirgsstraße führt uns über die zweithöchste befahrbare Strecke der Welt, wir überfahren den 5.320 m hohen Taglangla. Unterwegs wechselnde Landschaften - mal öde wie der Mond, Gletscherwassser läßt nur ein paar kleine Felder ergrünen - mal hängen Häuser wie Chalets in den Bergen und ich fühle mich wie in der Schweiz, glasklare Flüsse begleiten unseren Weg. Von buddhistischen Tempeln klingt der zarte Schlag der Windglocken. Hinter den Panoramen des Hochgebirges liegen die Täler. Gompas, Stätten des tantrischen Buddhismus säumen den Weg. Om mani padme hum, das sechssilbige Mantra ist in Gebetssteine und Mauern am Wegesrand eingeritzt.

Angekommen in Delhi nehme ich den Zug. Wieder ein Abenteuer für sich: Die Eisenbahn Indiens ist die Bahn mit den meisten Fahrgästen. Eines ist über anderthalb Jahrhunderte gleichgeblieben: Sie kann die Zahl der Fahrgäste schlicht nicht bewältigen. Zehn Millionen fahren tagtäglich mit irgendeinem Zug. Dies bekomme ich dann am eigenen Leib zu spüren: Eng aneinander gepreßte Menschen, dazwischen Hühner, Kisten, Kästen, Inder, die versuchen, den Zug zu stürmen, um noch hineinzukommen, an den Fenstern hängende halbnackte Gestalten, auf dem Dach liegende Leiber - und dazwischen stecke ich mal wieder, eine Hand an meinem Rucksack, einen Ellenbogen in Augenhöhe, um mir 20 cm Freiraum zu erhalten, über mich steigende Menschen - kurz gesagt: Ein 10-minütiger Horrortrip von Old-Delhi nach Neu-Delhi.

Meine Zugreise 1. Klasse für 35 Stunden nach Goa im Liegewagen ist jedoch wieder schön und z.T.  geruhsam. Gespräche mit den Mitreisenden verkürzen und verschönern die Reise. Die Freundlichkeit der Inder fällt mir immer wieder auf und ich lerne sie mehr und mehr schätzen.

In Goa, kleinster Bundesstaat mit einer Mischung von indischem und portugiesischem Kulturgut, Badeparadies mit mediterranem Flair, habe ich das Glück, eine wunderschöne Bambushütte, 50 m vom indischen Ozean entfernt, ergattern zu können. Endlich mal eine längere Pause nach all den Reisestrapazen. Nur noch schwimmen, tauchen, einkaufen, klönen............
Mit ein paar netten Mitreisenden chartere ich nach einer Weile ein Taxi, das uns nach Mysore bringt, der Sandelholzstadt, Wohnsitz des Maharajas, der einst das Gebiet des Staates Karnataka regierte. - Tja, der Palast - das ockergelbe Gebäude mit den Zwiebeltürmen, in dem noch einige Nachfahren des Maharajas leben, imponiert uns sehr, besonders am Abend, wenn der Palast von 97.000 Glühlampen angeleuchtet wird. Wir sind verzaubert und fühlen uns um ein Jahrhundert zurückversetzt - kommen uns vor wie im Märchen aus 1001 Nacht. Doch als eine Militärkapelle den Radetzky-Marsch spielt, werden wir unsanft in die gegensätzliche Welt Indiens zurückgeholt.

7000 km Reise in diesem Staat liegen hinter mir. Ein Staat mit 17 offiziellen Sprachen, in wenigen Jahrzehnten das bevölkerungsreichste Land der Erde mit 2 Milliarden Einwohnern, 7 großen Religionen - der Hinduismus ist vor allem von besonderer Bedeutung, da er einer philosophischen Denkweise unterliegt und für mich eine erstrebenswerte Lebensart darstellt. Indien ist gleichzeitig atemberaubend schön bis abgrundtief häßlich, stinkreich bis bettelarm, herrlich entspannend bis tödlich nervend. In jedem Fall ließ Indien mich nie kalt, sondern berührte mich in jeder Situation auf angenehme bis unangenehme Weise. Für mich ein Land mit einer noch nie erlebten Faszination.

Wehmütig besteige ich nach 6 Wochen den Flieger in Bombay mit einer bleibenden Sehnsucht und
einer Gewissheit: Es wird nicht mehr viel Wasser den Ganges hinabfließen, bevor ich wiederkomme........

Annette Weirich (1998)
(leider nur noch Papierbilder vorhanden)





Du rüttelst mich auf den Straßen und

läßt mich nicht schlafen,
du schüttelst mich in den Zügen und stellst
meine Geduld auf die Probe.

Du zerrst an meinen Nerven, niemals kann man
ungestört in der Straße entlang laufen,
Du willst mir ständig etwas aufdrängen,
oder einfach nur Almosen.

Du stellst meinen Geschmackssinn auf die Probe
und wie viel Schärfe ich vertrage.
Du forderst mich zum Probieren auf von all Deinen
seltsamen Speisen und Früchten.

Du reizt meine Nerven, mit Lärm und Gehupe
sowie meine Nase mit Deinen Abgasen.

Du erstaunst mich mit Deiner Fremdartigkeit
und so vielen skurrilen Dingen.

Du stellst meine Gutmütigkeit auf eine harte Probe.

Du verlangst mir viel ab und veränderst mich,
deshalb liebe ich Dich

m y               I   n   d   i   a
                                                                          

4. Mai 2016

Marokko - Teil 11 - Heimweg

Seit Anfang dieser Woche, also dem 2.5.16 bin ich bereits in Hannover und jetzt will ich euch doch noch den relativ unspektakulären Rückweg durch Spanien und Frankreich schildern.

Nach den schönen Tagen in Punta Paloma bei Tarifa in Spanien mache ich mich auf einer langen Tagestour in den Nationalpark Cabo de Gata über Almeria. Ich stehe ruhig, abseits, direkt am Steinestrand. Es wird windig, immer windiger, schließlich wird es abends ein Orkan. Wer noch weiß, wie die Costa Del Sol aussah, bevor die Bulldozer anrückten, würde wahrscheinlich sagen, dass sie ein wenig dem Cabo de Gata gleicht. Einige der schönsten und einsamsten Strände Spaniens erstrecken sich zwischen spektakulären Steilfelsen und Kaps östlich von Almeria Stadt. Die Gegend hat immer noch etwas Wildes und Ursprüngliches. Es gibt hier noch Fischerdörfer mit unaufdringlicher Atmosphäre. 

Kurzübernachtung in Aguilas, 5 m vom Meer entfernt. Wetter sonnig, aber abends immer kalt. 
Ja, und dann MUSS ich natürlich zur legendären, in Deutschland unter "Freisteherliebhabern" sehr bekannten "Ziegenwiese" in der Nähe von Mazarron. Ich bin gespannt, ob es wirklich so toll ist, wie oft beschrieben. Die Fahrt dahin geht erst mal lange durch die üblichen "Plastikfelder" mit Tomaten. Ich bin ziemlich entsetzt. Na, mal abwarten. Dann bin ich da und habe auch sofort mit einem österreichischen Pärchen Kontakt Es stehen ca 20 bis 30 Womos dort, mehr als 2/3 aus Deutschland, oh my Goodness, das ist ja was für mich. Angeblich soll der Platz aber sonst einigermaßen europäisch belegt sein, na ja. Steinestrand, dunkler Sand. Es gibt sicher auch einige positive Aspekte, die ich aber weniger entdeckt habe. Es sind sowohl die üblichen Plastikautos mit entsprechender Besetzung (:-)) vorhanden als auch ein freakiger SchrottLKW mit Aussteigerin. Ich kann mir vorstellen, dass man als Gruppe dort sicher ein paar Tage Spaß haben kann, aber das für 6 Monate? Au weia! 

Figueras steht an. Stehe auf dem ebenfalls bekannten Platz des alten Forts. Sehr gefährlich, sage ich nur, wegen Gefahr des Ausraubens. Die Polizei fährt ständig dort herum und warnt die Wohnmobilisten. Ich bleibe eine Nacht zusammen mit anderen Womos. Niemals würde ich dort alleine übernachten.  Besuche wieder einmal mein Lieblingsmuseum Dali und düse am Nachmittag noch ins 40 km entfernte Frankreich. Puh, also Spanien unausgeraubt überstanden, was wirklich ungewöhnlich ist. Also - Autosicherung in Planung! 

Frankreich ziemlich schnelle Durchfahrt, Wetter wird immer kälter und ungemütlich. Habe keine große Lust auf Besichtigungen mehr. Noch Albi und Toulouse Lautrec, dann ca 1000 km Autobahn über Paris direkt nach Jülich bei Aachen und Germany hat mich wieder. Kurzbesuche in Köln und am Niederrhein folgen und ich lande im schönen (?!) Hannovi. 

Insgesamt gefahrene Kilometer: 9000,  immerhin ohne jeglichen Kratzer, weder am Auto, noch an Person. Flohschaden behoben, Stiche weg. Bleibt nur noch der vorher schon bestandene Dachschaden, aber den kennt ihr ja. 

Planung 2017: Iran. Gestaltet sich schwieriger als erwartet auf Grund von Carnet de Passage für Auto, 15.000 Euro Hinterlegung für Womo bei Konsulat Iran plus Visagebühren, Versicherung für Mensch und Auto. Mal sehen, ob und wie ich das regele. Vielleicht Auto bis Osttürkei Grenze Iran, stehen lassen, zu Fuß über Grenze, Auto mieten und weiter. Oder Flugzeug Teheran, Auto mieten und zurück? Mal sehen, auf jeden Fall schwierig - aber auch mal wieder eine große Herausforderung für Frau.......

Evtl folgt noch demnächst ein Post mit der Rezension für das Därrbuch.

Stürmischer Platz mutterseelenallein in Cabo De Gata. Um 3.00 Uhr morgens verlasse ich diesen Platz, da ich Angst habe, dass die Hexenkutsche vom Orkan umgestoßen wird. Wär ja eigentlich egal, da Hexen bekanntlich fliegen können, wenn da nur nicht das Problem mit dem Autotransport auf dem Besen wäre....


Abends noch ein toller Sonnenuntergang 

Ich bin auf der legendären Ziegenwiese bei Mazzaron. Man kann dort in jede Richtung weit wandern. Die Wiese selber hab ich nicht fotografiert, da sie für mich wenig spektakulär ist. 

15 min entfernt hat man einen Palmenstrand angelegt. Ansonsten besteht der Strand aus dunklem Sand mit Steinen. Eine Bude zum Saufen ist natürlich auch da. Irgendwie kommt mir der Gedanke eines "Malllllllorca- (mit mindestens 10 el's) Saufortes" für Wohnmobilisten. Einige stehen dort ein paar Tage, Andere bleiben ein halbes Jahr dort. Wie man sieht, auch hier oft stürmisch und auch kalt. Aber angeblich die wärmste Ecke Spaniens. 

Das Hinterland der Ziegenwiese besteht, wie überall in dieser trockenen Gegend, aus mit Plastik überzogenen Tomatenfelder. Tja, und wenn dann Felder aufgelöst werden, weil man sie für etwas Anderes nutzt, bleibt schwarzes Plastik über, das durch den ständig starken Wind überall verstreut wird. Also, auf Ziegenwiese nur nach vorne aufs Meer und zur Seite auf die schönen Hügel schauen, nicht umdrehen. Scheint die vielen deutschen Womos nicht zu stören, Hauptsache, man kann kostenlos, von Polizei unbehelligt, monatelang dort im Winter stehen.  

Das entzückende spanische Örtchen Peniscola, 
Einfach zu merken: Penis und Cola. 



Das Örtchen liegt auf einer Halbinsel, umgeben von Wasser. Auch hier noch stürmisch. Ich finde Ohrringe, Ringe, usw. : Dali, Picasso und Miro. Ich werde wahnsinnig und kaufe den halben Laden leer (natürlich übertreibe ich....)

Auch bei meinem 2. Besuch in Figueras im Dalimuseum bin ich wieder hin und weg! Was für ein durchgeknalltes Museum eines Genies im Wahnsinn! 





Natürlich darf die fließende Uhr nicht fehlen! 

....und seine berühmten Eier auf dem Dach! 



Albi, Frankreich, mit der berühmten Kathedrale 

Toulouse Lautrec hat die Stadt bekannt gemacht 

Ein paar seiner bekannten Bilder 

Städtchen ist süß.





Und jetzt ist erst mal Hannover angesagt- mit wunderschönem Maiwetter! 





















17. April 2016

Maroko - Teil 10 Viva Espagna

Kurze Meldung:

Bin nach Moulay Bousselham noch nach Asilah gefahren, damit ich morgens nur noch 30 km zu fahren habe bis zur Fähre. Marokko ist lange toll, aber bei mir ist der 100%ige Fluchtwunsch nach 8 bis max. 10 Wochen. Das Land ist wirklich klasse, aber dann muss ich raus - und zwar schnell.

Vorher glücklicherweise kein Ticket nach Spanien per Internet gekauft, absolut unnötig. Meine persönliche, absolut beste Fährlösung: 

Abfahrt Assilah: 8.00 h, 30 km Autobahn
Ankunft Fährhafen Tanger Ville: 9.00 h (Verkehr und Durchfahrt in Tanger nicht nett durch Straßenneubau, aber geht)
Ticketkauf mit Einchecken, Formalitäten: 15 Minuten, Ticket mit Auto, 1 Person, Schnellfähre 130 Euro 
Warten, Autoscannen, mit Hund Auto checken: 30 Minuten, ca 25 Autos, 1 (meins) Wohnmobil 
Abfahrt Fähre mit 15 min. Verspätung: 10.15 h
Fahrtdauer Fähre: 35 Minuten plus Auschecken 
Ankunft Lidl in Tarifa einschl 100 % Glückseligkeit: 11.30 h
Ankunft auf Stellplatz Punta Paloma: 12.30 h 

Gesamt Dauer der Aktion von Camping Marokko  bis Stellplatz Spanien, einschl Einkauf Lidl :   4 1/2 Stunden. 
Unübertroffene Schnelligkeit und der unkomplizierteste Länderwechsel zwischen Europa und Afrika. 
Nicht zu überbieten. 

Wusste bis jetzt nicht, was ein blöder Lidl für Glückseligkeit hervorrufen kann. Ich schwelge in Schinken aller Art, Putenschnitzel, Käse, Alster und weiteren Köstlichkeiten. Der Himmel auf Erden! 
Bin an gleichem, langen, mit vielen Dünen versehenen Strand wie vor 2 Jahren, in Punta Paloma, ca 9 km von Tarifa entfernt. Ein einziger Traum. Gibt nur eine Frage: was esse ich als Erstes und wie sorge ich dafür, mich nicht zu überfressen. 
Ok, ich schaffe es. Bleibe 5 Tage und genieße das europ. Leben......

Auto wird auf Personen gescannt. Brauchen die aber keine Sorge zu haben, habe selber in jede Ritze geschaut, damit sich auch nur ja kein afrikanisches Männlein darin versteckt. 

Wie schön: es geht raus aus Tanger. 

Punta Paloma, Surfstrand., daneben Pig Farm, Freakstrand für Aussteiger.
Ich stehe aber auf befestigtem Parkplatz, da ich mich nicht festfahren möchte im tief zerfurchten Boden 



Ausblick aus dem Auto 






11. April 2016

Marokko - Teil 9

LTja, und nach dem dieses Mal nicht so ganz erfreulichen Zebra-Aufenthalt (die schlechte Stimmung, die die Österreicher verbreitet hatten, wurde unerträglich) fahre ich zu DEM Stausee schlechthin: 
Barrage Bin el-Ouidane, ein einzigartig gelegener See mit einzigartigem Standplatz. Ich stelle fest, dass ich den See bereits kenne. Dennoch bin ich wieder sooo begeistert. Und vor allem entdecke ich (ganz einfach zu finden) die Stelle, wo Ulla und Klaus vor einem Jahr Silvester gefeiert haben. Ist ganz einfach hinzukommen - allerdings - nun kommt der Schock für Ulla und Klaus: von wegen einsam und abgelegen, lach. Die Stelle ist DER Ausflugs-, Picknickplatz im Frühling und Sommer für die Marokkaner! Ich komme mitten in der Woche an, es sind einige Picknicker schon da, abends jedoch bis auf ein paar Zelter weg. Am Wochenende ist der Bär dort los, hab ich mir sagen lassen. Ich habe dennoch ein tolles Plätzchen und bin hin und weg von dieser location. Abends kommen noch - oh Schreck und Graus: Österreicher im VW Bus. Da ich Österreichgeschädigte bin spreche ich Eva und Michael erst am nächsten Morgen an - und siehe da - sie sind auch geschädigt - deutschlandgeschädigt! Na, das passt ja gaaanz ausgezeichnet. Und was soll ich euch sagen - aus einer "kurzen" Unterhaltung wird eine Unterhaltung bis zum nächsten Morgen um 11.00. 

Wir haben viel Spaß und sind einer Meinung - in einem Punkt besonders, der unfassbaren europäischen, besonders aber der deutschen Politik. Wie oft wurde ich auf dieser Reise von einigen Nationen auf dieses Thema angesprochen und gefragt, wie es sein kann, dass eine Person  ganz Europa bestimmen darf und in eine solche Lage gebracht hat. Ich lese inzwischen die europäische Presse, um zu wissen, wie unsere Nachbarländer uns sehen. Hätte nie gedacht, dass ich mich mal meines Landes schämen und rechtfertigen muss. Mehr will ich dazu nicht sagen, sonst raste ich noch komplett aus. 

Am Abend kommt noch ein hannoversches Allradmobil mit einem süßen, sympathischen Pärchen mit Kleinkind in Elternzeit. 

Am nächsten Tag geht es mit einer Übernachtung in Azrou im Obstgarten von Hassan nach Meknes und Volubilis. Na, ja, Meknes ist wirklich nicht der Brüller, kann man vergessen, außer dem berühmten Stadttor, angeblich das schönste von ganz Marokko.  Dann zu den Ruinen von Volubilis, Unesco Weltkulturerbe, bekannt für phantastische Mosaiken. Die Stadt ist die größte römische Ausgrabungsstätte Marokkos. Na ja, eben alles alte Steine -:). 

Nordmarokko finde ich bis auf einige Plätze weniger sehenswert, die Leute sind gaaanz anders als die sympathischen, zurückhaltenden Berber im Süden. Sie sind eher aufdringlich, nervig, sogar manchmal aggressiv, bettelnd, ätzend hinter Frauen her usw. Warum erinnert mich dies bloß so an das nördliche Indien (nicht Himalaya)? 

Ich bin auf einem mit gefühlten 30 m langen Plastikfahrzeugen MIT Anhängern übersähten Platz  in Moulay Bousselham am Atlantik. Schöner, breiter, langer Sandstrand, sonnig aber kühl. Ich kann frische Erdbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren kaufen, der Hammer! 

Nun will ich plötzlich ganz schnell aus Marokko raus. Es ist wie zum Friseur gehen. Das kommt dann ganz plötzlich und muss sofort passieren! -:)

Endlich keine Werbung mehr für  Poessl zu sehen! Wurd ja auch Zeit! Nun kommen aber in Hannover noch diverse, bunte Änderungen dran. 

Es ist diesig, aber man kann meine Stelle noch erkennen. Es ist die 2. Landzunge von oben mit den Bäumen im Vordergrund. Ich stehe ganz vorne. 

Da, wo das Auto steht, fährt man rüber zur Spitze 

 um die Spitze herum ist nur Wasser (Logo, was soll da an einer Landzunge auch sonst sein?), einmalige Lage 


Hinter dem Wald befindet sich die Spitze der Landzunge 

Am Abend werden die Berge leuchtend rot 



Michael, Eva aus Österreich, ein liebes Pärchen aus Marokko, die für uns speziellen Tee aus besonderen, nie gehörten Kräutern zubereiten 

Hier werden besonders Datteln, oder sind es Feigen, (wer weiß das schon) am Band angeboten

Das berühmte Tor von Meknes 

Moulay Idriss direkt neben Volubilis 


Ruinen von Volubilis 





Campingplatz von Moulay Bousselham. Ich bin das letzte Auto gaaanz tief im Wald, ohne Strom und Toiletten kilometerweit entfernt. Egal, Hauptsache weit weg von allen. Ja, ich weiß, ich bin schon recht seltsam manchmal, lach, aber ich steh dazu! 

Recht schöner Strand von M.B., aber nervige, belästigende Männer